Dienstag, 11. September 2012

Rasender Stillstand: 24 hour kampolerta city [k24h]



 
k24h ist ein künstlerisches Experimentierfeld zur Erprobung einer informellen Stadtgründung in all ihren Facetten im Rahmen des ur3anize! Festivals der Zeitschrift für Stadtforschung dérive. Auf dem Brachland einer Autobahnrampe wird an bestehende Strukturen angedockt. Einem von seiner Nutzung entleertem Raum wird für einen Tag wieder Leben eingehaucht, ephemere Bedeutung verliehen. 

k24h ist eine Simulation von Stadt in der Stadt sowie das Durchspielen von selbstorganisiertem Bauen und Leben in einer Stadt. Die Intervention wird mit ihrem zeitlich kompakten Format eine Dichte an Erfahrungen für alltägliche urbane Prozesse hervorbringen und daher zu einem besonderen Lernen und Verstehen von städtischer Praxis beitragen. Durch den rasanten, informellen Städtebau wird der begrenzte Zugang zur Ressource Raum in einer dichten und stark wachsenden Stadt wie Wien genauso Thema sein wie der Umgang mit soziopolitischen und demokratiebildenden Prozessen in einer spontanen, rasch ansteigenden Stadtgesellschaft. Improvisiertes Bauen von Behausungen und Freiräumen, also das Aufteilen und Verfügbarmachen eines Territoriums, werden dabei vor allem als sozialer Aushandlungsprozess in Ännäherung an den antiken Marktplatz/Agora einer Polis erlebbar gemacht.

Durch die spielerische Form der Kunststadt k24h können neue Wege eingeschlagen und gedacht werden. Der Phantasie wird freier Lauf gelassen, da die Aktivitäten und Überlegungen in dieser Instant-Stadt losgelöst von üblichen Handlungszwängen angestellt werden können. k24h ist ein Projekt zur Erprobung situativen, urbanen Handelns.

Wann? Sa. 6.10.2012, 18:23 bis So.7.10. 2012, 18:21 (Sonnenuntergang-Sonnenuntergang), danach k24h-Fest bis ca. 23:00 

Wo? leerstehende Autobahnrampe  @48.204406,16.430147, ca. 200m von U2-Station Donaumarina, zw. Süd-Ost-Tangente A23 und Kleingartenverein "Grünland", Höhe Kleingartenparzelle 25, Grünlandgasse, 1020 Wien - Lageplan: untenstehende Grafik oder Link zu Google-Maps oben


Programm
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SAMSTAG, 06.10.2012

18.23 GRÜNDUNG KAMPOLERTA CITY mit Videobotschaft; Infrastrukturmaßnahmen

23.00 k24h-SCHLAFSTADT

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SONNTAG, 07.10.2012


10.00 k24h OPENING Frühstück und Eröffnung des BürgerInnenamts | Einbürgerungen mit kampolerta-city-kit | Ausgabe Baumaterialien

11.00 START DER BAUTÄTIGKEIT

11.00 bis 18.00 k24h-24 HOUR KAMPOLERTA CITY ACTIVITIES

AUSTAUSCH & DISKURS | EXCHANGE & DEBATE: Speaker‘s Corner nutzen für vorbereitete oder spontane (Diskussions-)Beiträge zum „Stadt selber machen“!

BAUEN & LEBEN | BUILDING & LIVING: Wohnmobile von Willi Bus (www.pimpmyhome.cc), dem Institut für Alltagsforschung und temporäre Materialien zum Tauschen und kooperativen Bauen

DEMOKRATIE & GESELLSCHAFT | DEMOCRACY & SOCIETY: Demokratiebildung in der spontanen k24h-Gesellschaft mit Alexander Emanuely, Republikanischer Club | State of Sabotage Gipfelkonferenz mit Robert Jelinek, Non-President SoS | Crashkurs Esperanto | Speak up! Banner + Transparente Workshop

KUNST & KULTUR | ARTS & CULTURE:  kampolerta-city-hymne: Ad-hoc-Komposition, Uraufführung: 7.10.12, 18:21 | Live beim k24h-Stadtfest: Living Lâche
MEDIEN | MEDIA:  dérive – Radio für Stadtforschung, Radio Orange 94.0 | Superbertram – Public Online CCTV, Georg Schütz | Fotografie – Johannes Hloch

PRODUKTION ] HANDWERK | PRODUCTION  CRAFT: DIY-Näh-Workshop (MIK | Stephanie Sandhäugl, Helmut Preis) | k24h-Souvenir-Produktion (Srdan Ivkovic – kampolerta)

(SELBST-)VERSORGUNG | SUPPLY & SUBSISTENCE: Start mit k24h-Frühstück am 7.10.2012, 10:00: Die k24h-Verpflegung findet via mobiler Küchen – Freiwillige Spenden und Mithilfe erwünscht! Urban Gardening – Bring your own Saatgut!

SPORT & SPIEL | SPORTS & GAMES: Boule, Seifenkisten-Rennen, Federball, Tauziehen – mitbringen und SpielpartnerInnen finden!

VERWALTUNG | ADMINISTRATION: Stadttor/BürgerInnenamt: Einbürgerung mit kampolerta-City-Kit, Ausgabe Baumaterialien, Schwarzes Brett, Tauschbörse | Postamt: „Das Wetter ist schön, das Essen ist gut! Liebe Grüße aus der k24h!“

18.21 24 HOUR KAMPOLERTA CITY ist errichtet!
Uraufführung k24h-hymne und Präsentation der k24h-Charta

19.00 – 23.00 k24h-STADTFEST & MUSIKk24h
site seeing, Musik: Living Lâche, zaubernus
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Call to Participate!
PDF, English


Aufruf zum Mitmachen!
PDF, Deutsch

k24h wird gefördert durch KÖR – Kunst im öffentlichen Raum Wien. Wir danken der Asfinag für ihr freundliches Entgegenkommen! Laufende Informationen zur Veranstaltung auch auf facebook/kampolerta

Donnerstag, 6. September 2012

Stadt ernten und wild kochen

kampolerta nimmt euch mit auf eine Tour, bei der die Stadt als Ernte-Schlaraffenland erprobt wird. Gemeinsam werden wir mit dem Fahrrad Aspern erkunden und Obst, Gemüse oder Kräuter suchen und sammeln. Zurück von der Radtour wird bei der U2-Station Aspern Straße aus den gefundenen Nahrungsmitteln ein drei-gängiges Menü gezaubert. Bei Speis und Trank klingt die Exkursion gemütlich aus. Die Tour bietet den Interessierten andere und neue Einblicke in die eigenen Stadt und ihre Ressourcen. Eigenes Fahrrad bitte mitnehmen!

Samstag, 8. September 2012, 14.00 bis 18.00 Uhr Treffpunkt: U2-Station Aspern Straße Anmeldung unter: kampolerta@gmx.net



Dienstag, 14. August 2012

kampolerta gärtnert genial in wien

100 grüne Shops und Tipps
befinden sich im Buch

Genial Gärtnern in Wien
von StadtSpionin (2012)


„Urban Gardening“ ist das Schlagwort der Stunde – und die StadtSpionin liefert das Handbuch zum Trend. Der erste Wien-Führer für Grünzeug-Fans zeigt die 100 besten Shops und Tipps für Balkon & Terrasse, präsentiert die neuen Gemeinschaftsgärten, Selbsterntefelder und botanische Raritäten in Wien. Das perfekte Buch für Guerilla-Gärtner, Balkon-Tomaten-Züchterinnen und Blumenfeen: Alle Tipps handverlesen und nach Bezirken geordnet.

weitere Infos auf www.diestadtspionin.at

Donnerstag, 2. August 2012

kampolerta ist fünf!

Fotos gibt es auf
www.facebook.com/kampolerta
www.daswerk.org

kampolerta arbeitet seit 5 Jahren an der Schnittstelle zwischen Landschaftsarchitektur, Urbanismus und Kunst. 5 Jahre waren für uns ein guter Grund zu feiern. Dazu luden wir am 23. Juni 2012 ab 17 Uhr ein,

im Werk, Neulerchenfelderstraße 6-8, 1160 Wien.

     17:00
     Spiel, Spaß & Überraschung im Werk-Hof: Picknick, Werkschau
     in der Werkerei und kampolerta-Tombola
     19:30
     Konzert zaubernuss (Werkerei)
     zaubernussmusic.wordpress.com
     21:00
     Verlosung + Bekanntgabe der Gewinne kampolerta-Tombola
     22:00
     After Party "Jede Nacht ist Sonne" von solproductions
     www.solproductions.org
     mit Visuals und Leinwandsystem von kampolerta
     im ErdWerk







Sonntag, 10. Juni 2012

fotos: © johannes hloch 
weitere fotos unter: 
flickr XXL Tour -Architekturtage 2012 Wien Bratislava

Transdanubische Safari - XXL Tour
Datum Sa 2. Jun 2012
Beginn 14:00 Ende 17:00
Treffpunkt: U1 Station Aderklaaer Straße

Mit der Exkursionsreihe Transdanubische Safaris wollen wir TouristInnen auf die anderen Seite der Donau in die Zwischenstadt Transdanubiens locken. Bei der neuen „XXL Tour“ werden vorhandene Megastrukturen im Wohnbau thematisiert (Rennwegsiedlung, Großfeldsiedlung, u.a.) und neu addierte Nutzungen und Funktionen im Freiraum gezeigt. Die Tour bietet den Interessierten eine Entdeckungsreise durch die eigene Stadt. Die (sub-)urbanen Gegenden und Situationen werden als „Terra incognita“ thematisiert. Der Fokus liegt dabei auf Relationen zwischen zentral-dezentral, urban-rural, alt-neu, und formell-informell.
facebook/kampolerta
Architekturtage 2012

Donnerstag, 7. Juni 2012

Kampolerta Kuzzi


Kuzzi nennen Vorarlberger eine weiche Kuscheldecke. kampolerta hat sich das Wort Kuzzi angeeignet und zu einer modularen und vielseitig nutzbaren Picknickdecke weiterentwickelt.

Die Idee war etwas zu entwickeln, womit mehr als nur gepicknickt werden kann. Gleich große Picknickdecken können zusammengeknüpft vielerlei Dinge ergeben: eine Picknicklandschaft, einen Paravant, eine Umhüllung, einen Vorhang etc. Die Einsetzmöglichkeiten sind scheinbar unendlich.
JedeR Kuzzi-BesitzerIn kann am großen Kuzzi-Treffen mitmachen. Die Größe passt sich immer der Anzahl der Teilnehmenden an.

Kuzzis sind ganz leicht selbst gemacht!

Nähanleitung
Was brauchst du:
  • Stoff 142 x 142 cm
  • Bändchen  8 Stück je 25 x2 cm
  • Nähgarn
  • Stecknadeln
Stoff: es eignet sich fast jeder Stoff: kampolerta hat bereits vieles getestet: Möbelstoff, Schnürlsamt, Jeans, Anzugstoff, Baumwollstoffe. Tipp: Der Stoff sollte allerdings durchaus strapazierfähig sein.

Wie geht`s:
Schritt 1: den Stoff zu einem 142 x 142 cm großen Quadrat schneiden. Die Bänder aus dem gleichen Stoff oder aus einem anderen Stoff zuschneiden. Du benötigst acht Stück die jeweils 25 x 2 cm groß sind. Du kannst aber auch Bänder kaufen, die gibt es in Meterware.


Schritt 2: Die Bänder müssen an allen vier Seiten mit Zickzack Stich versäubert werden.


Schritt 3: Jetzt den Kuzzi Stoff an allen vier Seiten mit geradem Stich einen Zentimeter umnähen. Das Endformat ist 140 x 140 cm.


Schritt 4: Die acht Bänder gut annähen (Mehrmals mit Zickzack Stich vor und zurück nähen. Jeweils in der Mitte an jeder Seite und in den vier Ecken.


Der Kuzzi ist fertig!

Montag, 28. Mai 2012


© gregor doblinger
© gregor doblinger
VISIONENHOTEL beim SOHO Ottakring, kampolerta und WOHNPROJEKT WIEN
Mittwoch, 16. Mai 2012
17:00 bis 22:00
Geblergasse 38+40, 1170 Wien
Etablissement Gschwandner

Von Bäumen und Menschen
ein Abend von KAMPOLERTA und WOHNPROJEKT WIEN
im VISIONENHOTEL der Initiative Gemeinsam-Bauen-Wohnen im Rahmen von SOHO Ottakring
Mi. 16. Mai 2012 17:00 – 22:00 Uhr
im Etablissement Gschwandner
Geblergasse 38+40, 1170 Wien

Im Mittelpunkt des Abends steht die Frage, wie wir uns den idealen öffentlichen Raum vorstellen, wo die Schnittstellen zwischen öffentlichen, privaten und gemeinschaftlichen Räumen liegen und wie „gewohnte Solidarität“ aussehen kann.


Programm
17:00 Entrée: Gemeinschaftliches Kochen und Kennenlernen
18:00 Hauptspeise: Gemeinsames Essen mit den BesucherInnen des Abends, serviert mit musikalischer Begleitung „soundcollage DOXA10“
19:30 Silent Negotiation Spielrunde 01
20:30 Pause und Dessert
21:00 Silent Negotiation Spielrunde 02
22:00 Informeller Ausklang des Abends

Silent Negotiation ist eine spielerische Methode, bei der die Ansichten und Einstellungen einer Gruppe zu einer Frage ohne Worte anhand von Bildern dargestellt werden. Die Spielefragen des Abends sind:
"Mein perfekter Freiraum"
"öffentlich / privat / gemeinschaftlich"
"Freiräume als Orte der Kommunikation"

Wohnprojekt Wien
Die Baugruppe bringt verschiedene Generationen, Sprachen, Kulturen und Berufe zusammen. Das Motto: Individualität in Gemeinschaft. Das Ziel: ein von Nachhaltigkeit und Solidarität geprägtes Zusammenleben in der Großstadt. Das Gebäude wird 40 bis 45 Wohneinheiten und vielfältige Gemeinschaftsflächen enthalten, die seit Beginn mit den künftigen BewohnerInnen zusammen geplant werden. Das Wohnprojekt Wien (Planung einszueins architektur) entsteht in Kooperation mit dem Projekt Wohnen mit scharf! (Planung superblock). Fertigstellung: Herbst 2013.
www.wohnprojekt-wien.at

kampolerta – LandschaftsarchitektInnenkollektiv

soundcollage: DOXA10. a value. a process. a something inbetween
(experimental sound-lectures)
Kontext-Hacking in verträumt-manieristischer Verspieltheit evoziert ein zehn Episoden langes dadaistisch-surrealistisches Klangexperiment. Ausgangsmaterial für diese Sound-Apercus lieferten Sprach-Aufnahmen zum Thema Landscape-Experiments. Einzelne Wortfetzen, Klopf- und Hustgeräusche, Hintergrund- und Nebengeräusche der Lectures wurden ge- und zerhackt und in den Mittelpunkt verfrachtet. Die einzelnen Ton-Samples, einmal ihrem Ursprungskontext entzogen, werden rythmisch umgedeutet und melodiös zweckentfremdet. Michael-Franz Woels (Konzept, Artwork) | Benedikt Guschlbauer, Moozak Records (Mastering) hörprobe: http://www.foruml.at/zollausgaben/zoll16

Weitere Informationen:
http://www.sohoinottakring.at/
http://gemeinsam-bauen-wohnen.org/
http://www.gschwandner.at/

Dienstag, 3. April 2012

Gartengespräche | Im Garten






Eine lange ausständige Ankündigung:
kampolerta im Gartengespräch des Ausstellungskatalogs zu
"Im Garten", Linz, Nordico Museum, 2011

Donnerstag, 24. November 2011

DESIGN THROUGH DEBATE

You are welcome to turn up in the overflow spaces of critical, collective design ...

Die Universität für Angewandte Kunst Wien gründet die Victor J. Papanek Foundation. 40 Jahre nach Veröffentlichung der englischen Originalfassung des meistgelesendsten Design-Manifestes aller Zeiten “Design for the Real World – Human Ecology and Social Change” von Victor Papanek. Eine zweitägige Konferenz mit akademischen VertreterInnen aus dem angelsächsischen Bereich untersuchte die aktuelle Relevanz von Papanek´s kritischen Sichtweisen auf die Design-Profession:


Bei seinem Impulsreferat in Wien unterstreicht John Thackara die Bedeutung von temporären Communities, die “below the radar” mit alternativen Gesellschaftsmodellen und Lebensstilen experimentieren, er erwähnt das britische Festival der Secret Garden Party und ein Gruppe von jungen Franzosen, die in der Nähe seines jetzigen Wohnorts in Frankreich Steinhäuser errichten. Mit ihm gemeinsam praktizieren die Architektur-Historikerin Felicity D. Scott, die an der Columbia University in New York “ Critical, curatorial & conceptual practices in architecture”, origineller Weise CCCP abgekürzt, unterrichtet, der Industrial Designer Anthony Dunne, nunmehriger Professor of Design Interactions am Royal College of Art in London sowie Jamer Hunt, Direktor des Graduate Programs in Transdisciplinary Design an der New School for Design in New York City “Design through Debate”, also Design als Diskurs. Felicity D. Scott appelliert an die Risikobereitschaft von DesignerInnen. Sie versteht Design als eine experimentelle Praxis, die als strategisches Instrument Alternativen “that might attract, alter and effect one´s existence” aufzeigen kann.


Jamer Hunt erinnert in seinem Vortrag an die Berücksichtigung von Skalierungen bei Design-Prozessen: “Scale is an interesting lense. With the scale the problems, the opportunities and the ways to intervene change.” Er gesteht ein, dass Design vor allem einer bourgeoisen Kultur entspringt und sich seine priviligierten StudentInnen zwar die teure Ausbildung aber keine allzu radikalen Avantgarde-Ideen leisten. Auf die Frage einer anwesenden New Yorkerin, die einer der über 80 lokalen Occupy Wall Street - Gruppen angehört, welche Rolle denn nun DesignerInnen in dieser Bewegung spielen können, meldet sich der eher humble & passiv wirkende Anthony Dunne lapidar zu Wort: “Designers are citizens and consumers, too.” Conclusio nach dem ersten Konferenztag: There is no prescription for rebellion.


Am zweiten Konferenztag übernimmt Guy Julier, Research Fellow für Contemporary Design am Victoria & Albert Museum in London, die Rolle des Moderators dieser wieder sehr kohärenten Expertenrunde. Neu dabei ist Björn Franke, Lektor für Designgeschichte und -theorie an der Universität für Angewandte Kunst Wien und Dozierender an der Zürcher Hochschule der Künste. Guy Julier fasst die gesellschaftspolitisch relevantesten Veränderungen seit dem Erscheinen von Vicor Papaneks polemischer Streitschrift “Design for the Real World – Human Ecology and Social Change” folgendermassen zusammen: “The awareness of climate change, the introduction of the internet, the end of the Cold War, urbanization tendencies, demographic changes through migration, the globalisation of production and an aging population.”


Es wird der Wunsch nach mehr Design-Aktivismus und einer Abkehr vom “western centric approach of thinking” artikuliert. Design sollte nicht mehr wie im historischen Sinne mit einem Objektfetischismus gleichgesetzt werden, oder um es mit den Worten von Jamer Hunt zu verdeutlichen: “Design has to move beyond building things like posters & toasters. Design has to think about platforms, systems, services, rules.“ Das idiologische Konstrukt einer solution-based bzw. Endprodukt-orientierten Praxis sollte neu überdacht werden. Eine wichtige Funktion von “Design through Debate” ist bereits das Herausarbeiten und Veranschaulichen von Problemen und Fragestellungen. Eine Rekonfiguration der Disziplin “Design” als Übersetzerin von Ideen in Objekte scheint angebracht: “Design is not always an additive process. Eliminate things instead of adding more. Understand design as a reductive kind of practice!”

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TEXT: Michael-Franz Woels

Freitag, 28. Oktober 2011

Interview mit Chris Haring




Chris Haring wurde 1971 in Schattendorf im Burgenland geboren und zählt mittlerweile zu den wichtigsten österreichischen Choreografen. 2007 bekam er auf der Biennale von Venedig den Goldenen Löwen. Bei einem Besuch der Proben zu dem Stück „Wellness“, der ersten Folge einer neuen Performance-Serie mit dem paradiesischen Namen „The Perfect Garden“ , das er im Sommer bei Impulstanz #28 im Palmenhaus des Burggartens uraufführte, gibt er Einblicke in seine Arbeit mit der Company Liquid Loft.


Die neue Arbeit „Wellness - The Perfect Garden“ setzt sich mit dem Thema Wellness auseinander. Wie kam es zu dem Interesse an diesem aktuellen Gesundheitshype?

Chris Haring: Ian, einer der Tänzer auf der Bühne, erzählt zu Beginn der Performance: „We deserve it. Ich bin mir das wert, ich gönne mir das jetzt. Ich muss das jetzt genießen. Ich muss dieses Gefühl festhalten.“ Sobald man es aber hat, zerfällt es auch wieder. So bin ich auf dieses Wellnessthema gekommen. Wellness ist sozusagen das Grundthema, das Setting. Ich finde ja, dieses Wort Wellness, wenn du es oft wiederholst, fängt es zu nesseln an. Für mich ist das so ein Ding, das ist immer mehr gewachsen und gewachsen. Ich bin im Burgenland aufgewachsen und da gibt es ja überall diese Thermen. Man geht da hin und fühlt sich auf Befehl wohl. In kürzester Zeit schwitzt man sich in der Sauna den Alkohol der ganzen Woche raus, geht anschliessend ein paar Runden Schwimmen, wird danach passiv bewegt und am Schluss gibt´s dann ein Schnitzel, das nicht in Schmalz sondern im Bio-Öl gebraten ist und am Montagmorgen ist man dann wieder fit.

Grün, der Garten, die Natur als Wohlfühlelement?

Die Ursprungsidee des Gartens ist ja schon seit Jahrtausenden ein Thema in der Kunst. Der Mensch, der die Natur einfasst und so ein bisschen Gott spielt. Interessant war in diesem Prozess das Kennenlernen des bildenden Künstlers Michel Blazy, der in sehr langen Zeiträumen denkt. Wenn er mit seinen organischen Materialien arbeitet, dann braucht das immer wahnsinnig lange bis etwas entsteht. Und wenn es dann entstanden ist, vergeht es auch wieder sehr rasch. Er findet die Schönheit in Teilen, die wieder zergehen und er sucht dabei auch immer sehr schöne Farben aus. Tanz ist ja auch vergänglich, in dem Moment, wo du an Sequenzen arbeitest, ist es auch schon wieder vorbei. Wieder Proben das ganze Jahr tagein, tagaus und was dann überbleibt ist nur ein Bruchteil dessen, was im Endeffekt gezeigt oder aufgenommen wird und einem Publikum gezeigt wird und so in den Köpfen in Erinnerung bleibt. Die Bewegung, die im Proberaum verloren geht ist weg. Michel´s Installationen entstehen zum Teil über einen Zeitraum von 10 Jahren.

„Wellness_ The Perfect Garden“ ist als Fortsetzungs-Stück angelegt?

Dadurch, dass so viel Material da ist und neue Leute dabei sind - insgesamt sieben, mit ganz unterschiedlichen Hintergründen - fände ich es schade, wenn wir das in einem Stück verbraten. Es sind weitere Schritte, sozusagen weitere Gärten die wir anlegen wollen, geplant. Die Erstaufführung findet im Glashaus (Palmenhaus im Wiener Burggarten) statt, das nächste auf der Bühne und dann wird in der Stadt, im öffentlichen Raum inszeniert. Wir suchen unterschiedlichste Locations, wo wir diese „Gärten“ wachsen lassen können. Auf der Bühne wird sicher anderes Material eingesetzt werden als im Glashaus, im Freiraum hast du dann die Umwelteinflüsse, der Raum nicht so geschützt, hast wieder einen ganz anderen Rahmen.

Nochmal zurück zu Michel Blazy, wie bringt er sich im neuen Stück „Wellness – The Perfect Garden“ ein?

Michel ist wirklich super, ein extrem herzlicher Mensch. Er kommt für ein paar Tage aus Paris in unseren Proberaum in Wien und dann wird hier ordentlich gebastelt. Er beobachtet die Proben und plötzlich entstehen im Hof Skulpturen aus Materialien wie Kartoffelstärke - in riesigen Mengen wird hier herumgepanscht. Er kommt dann rein und sagt: „Hey Chris, was sagst du dazu?“ Die Kommunikation funktioniert super, obwohl ich nicht Französisch spreche und er nur wenig Englisch. Er schaut auch bei den Proben zu und gibt Dinge dazu und greift auch in das emotionale Geschehen auf der Bühne ein. Er gibt nicht nur Kommentare dazu ab, in welche Richtung sich, seiner Meinung nach, gewisse Choreografien weiterentwickeln sollten. Er hat dann auch extrem unterschiedliche Materialien gebracht. Wir haben ja durch das Palmenhaus als Aufführungsort schon sehr viel „Garten“ als Vorgabe. Da muss man quasi dagegenarbeiten, eher mit anderen Materialien reingehen und trotzdem noch die Assoziation dazu behalten. Das hat Michel sehr schnell kapiert, er ist da sehr feinfühlig. Er hat in Nizza studiert. Als ich ihn einmal fragte, warum er nicht als Bildhauer arbeitet hat er mir erzählt, dass immer, wenn er früher probiert hat, solide, massive Objekte zu machen, die entweder zerbrochen oder auseinandergefallensind. Er hat sich daraufhin auf temporäre Objekte verlegt und dabei ganz neue Arbeitsweisen entdeckt. Er arbeitet mit Tieren, er lenkt sie mittels Lockstoffen, sodass sie Spuren hinterlassen, die für ihn wiederum Kunst sind. Zum Beispiel mit Schnecken. Als ich ihn einmal besuchte, hatte er ein riesiges Bild aus Schokolade herumliegen. Er hatte verschiedene Schokoladen zusammengemischt und ich dachte, es geht um die verschiedenen Farbverhältnisse. Da gab es hellere und dunklere Flecken. Er hat mal mehr mal weniger Zucker zugegeben und zum Teil auch mit Uhu gearbeitet. Er hat das dann liegengelassen bis Mäuse und Ratten gekommen sind und die Schokolade aufgefressen haben. Die haben dann in diese Sperrholzplatte so eine Art Holzschnitt reingeknabbert. Dort wo mehr Schokolade war ist tiefer geknabbert und dort, wo Uhu ist wird nicht hingelangt. Nach 2 Wochen ist das Fress-Bild dann fertig. Er läßt sozusagen in Paris seine Hausratten für sich arbeiten. Oder er filmt seinen Hund, wie er „sein Geschäft“ verrichtet. Er filmt seinen Pudel das ganze Jahr über dabei, immer mit der gleichen Kameraeinstellung, wie er da seine Spuren hinterläßt.

Jetzt nochmal zum Thema Arbeiten mit und im Raum bei deinen Projekten...

Im Endeffekt ist das zentrale Thema immer der Körper. Jeder Choreografie versucht den Körper in ein spezielles Licht zu rücken. Das Publikum sollte immer wieder einen anderen Blick darauf bekommen. Akustisch kann man da sehr fein arbeiten, es wird eben nicht visuell eingegriffen, du hörst und spürst nur. Wenn wir zum Beispiel mit diesem Dubbing arbeiten, was wir sehr lange gemacht haben und du zum Beispiel mit meiner Stimme weitersprichst, dann bist du plötzlich eine komplett andere Person. Der Körper transformiert sich scheinbar, wie Tanz - in dir und um dich herum. Akustisch ist auch das Environment sehr schnell zu ändern. Du bist in einem Moment in einem kleinen Raum und im nächsten Moment plötzlich im Universum. Ich liebe Tanz und ich möchte Tanz sehen, nur ich brauche eben einen Grund, warum getanzt wird. Die meiste Zeit sind wir sozusagen auf der Suche nach dem Grund, warum wir versuchen, etwas abstrakt mit dem Körper zu erklären. Ich brauche den intellektuellen Input. Wenn der dann in die Performance gut einfließt, wird das Stück sehr tänzerisch. Wenn das nicht der Fall ist, dann stehen die Personen nur herum oder liegen am Boden (lacht). Wenn du professionell mit Choreografie arbeitest musst du reduzieren, es gibt ja überall Bewegung. Du musst reduzieren – wegnehmen, wegnehmen, wegnehmen - und darfst keine Bewegung zu viel bringen. Man vereinfacht, sucht nach Grundelementen.

INTERVIEW: Michael-Franz Woels
FOTO: Magdalena Blaszczuk

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